Nach der Milchstraßenaufnahme war klar: Auch ein Startrails-Bild mit der gleichen Kapelle sollte entstehen – diesmal aber mit einer ganz anderen fotografischen Herangehensweise.

Vorbereitung: suche nach Polaris

Die Vorbereitung war erneut entscheidend. Ziel war es, kreisförmige Sternspuren um den Polarstern (Polaris) zu erzeugen. Deshalb richtete ich die Komposition so aus, dass Polaris genau im Bildfeld liegt – ein zentraler Punkt, um den sich im Laufe der Zeit scheinbar alle Sterne drehen. Die Kapelle sollte dabei im Vordergrund ruhig und stabil stehen und der Bewegung des Himmels einen Kontrast entgegensetzen.

Auch hier nutzte ich PhotoPills, allerdings mit Fokus auf die Drehbewegung des Himmels und den Verlauf der Nacht. Der gewählte Aufnahmezeitraum lag in einer klaren, mondlosen Nacht ohne Wolken, um möglichst viele Sterne sichtbar zu machen. Der Ort war derselbe wie bei der Milchstraße: abgelegen, dunkel und atmosphärisch – perfekt für lange Aufnahmen ohne zu viel Lichtverschmutzung.

Belichtung: 39,3sec x128 = 84min

Eine klassische Langzeitbelichtung über eine Stunde oder mehr kam nicht in Frage – sie würde nicht nur zu starkem Rauschen führen, sondern auch Überbelichtung verursachen. Stattdessen entschied ich mich für die bewährte Technik aus vielen kurzen Einzelbelichtungen, meist zwischen 20 und 50 Sekunden pro Aufnahme, über ein bis zwei Stunden hinweg. So entstanden mehr als Hundert Fotos, die später zu einem Gesamtbild zusammengesetzt wurden.

Wichtig waren ein stabiler Aufbau, ein intervallgesteuerter Auslöser und ein Akku mit ausreichend Kapazität. Die Kamera lief automatisiert durch, während ich regelmäßig die Bedingungen überprüfte. Die Kapelle wurde in einer einzelnen Aufnahme ausgeleuchtet (mit einem schwachem Licht aus der Taschenlampe), um maximale Kontrolle über die Belichtung zu behalten.

Nachbearbeitung ist unerlässlich

In der Nachbearbeitung wurden alle Einzelbilder mit spezieller Software wie StarStaX zu einem einzigen Bild zusammengefügt. Dabei entstanden die charakteristischen, kreisförmigen Sternspuren – mit Polaris als ruhigem Zentrum direkt über der Kapelle. Einzelbilder mit störenden Linien, durch Flugzeuge und Sternschnuppen wurden einfach entfern. (entdecke die fehlenden Bildern in den Linien).

Das fertige Bild ist mehr als eine technische Spielerei: Es zeigt die Bewegung des Himmels, eingefroren in einem statischen Bild. Und es erinnert daran, dass auch in unserer schnelllebigen Zeit der Nachthimmel in seiner Ordnung und Ruhe bleibt – sichtbar über einer stillen, alten Kapelle.

Technische Daten

  • 128 Bilder zu je 40 Sek.
  • 5 Darks
  • Hersteller:        Canon
  • Kamera:            Canon EOS 6D
  • Firmware:        Firmware Version 1.1.9
  • Datum:              27.03.2022 21:50:08
  • Blende:              f 4,0
  • ISO-Wert:         800
  • Belichtungszeit:          39,3 s
  • Objektiv Canon 28-70 Zoom: 28,0 mm Real

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