Es war ein Junitag im Jahr 2022, als mich ein Anruf erreichte: Zwei junge Turmfalken hatten ihren ersten Flugversuch gewagt – und waren unsanft auf dem Boden vor dem Kirchturm gelandet. Ihre Landung war mehr ein Sturz als ein Flug, und nun saßen sie dort, etwas benommen, aber unverletzt, mitten im Bereich, wo viele Menschen vorbeigingen.

Schnell wurde eine kleine Absperrung errichtet, um die beiden Jungvögel zu schützen. Ich beobachtete sie eine Weile. Man sah ihnen an, dass sie ihre Umgebung aufmerksam wahrnahmen – doch von den Eltern fehlte jede Spur. Kein Rufen, kein Flattern am Himmel. Kein Wunder: Zu viele Menschen standen neugierig in der Nähe, und die Altvögel wagten sich nicht heran.
Damit die kleinen Falken nicht zu schwach wurden, begann ich sie vor Ort zu füttern. Anfangs waren sie scheu, doch bald verstanden sie, dass ich keine Gefahr bedeutete. Nach kurzer Zeit fraßen sie ruhig und ließen mich erstaunlich nah heran.

Gemeinsam mit dem Hausmeister suchte ich dann nach einer Lösung, wie wir die beiden wieder in sichere Nähe ihrer Eltern bringen konnten. Über eine Dachluke auf dem Kirchendach setzten wir sie vorsichtig wieder aus.
Schon kurz darauf hörten wir das charakteristische Rufen der Altvögel. Es dauerte nicht lange, bis die Eltern zurückkehrten und ihre Jungen versorgten – als wäre nichts geschehen. Ein stiller, schöner Moment, der zeigte, wie wichtig manchmal ein kleines bisschen Hilfe ist, um der Natur ihren Lauf zu lassen.

Einige Tage später schaute ich wieder vorbei. Über dem Kirchturm kreisten zwei junge Falken, flogen noch etwas unbeholfen, aber schon deutlich sicherer. Sie riefen laut, als wollten sie ihre neu gewonnene Freiheit verkünden. Da wusste ich: alles war gut gegangen.

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